Ein kurz gefasster Fahrplan in die Zukunft – Teil III

Inzwischen haben Guntram Bechtold und ich auf WhatsApp einen Dialog über meinen Teil I sowie auch Teil II des Fahrplans geführt, in dem er, im direkten Zusammenhang mit der Äußerung, wonach wir als Gesellschaft an dieser Auflösung dieser Traumata arbeiten müssten, insbesondere auf einen Satya Nadella sowie Carol Dweck verwies.

Darauf habe ich zunächst, was folgt, geantwortet:

Der Zusammenhang erschließt sich mir zwar nicht, aber einen schön glatten Glatzkopf hat er immerhin.

Ich habe jetzt nach Dweck gegoogelt und zu ihrer Arbeit, die nicht auf die Ursächlichkeiten eingeht, die ich beschrieben habe, fällt mir der Film Die Zeitmaschine ein, in dem – ich weiß nicht, ob du ihn kennst – die Menschheit in Eloys (in weißes Tuch gekleidete Leute, die auf der Oberfläche leben und denen nichts von dem, was sie tun, bewusst ist) und Morlocks (unterirdisch das Werk am Laufen haltende Kannibalen) aufgeteilt ist.

Dweck kratzt, soweit ich das beim Überfliegen ersehen konnte, lediglich an der Oberfläche der Problematik und befasst sich offenbar nicht mit den Ursachen, sondern versucht, die abnormen Verhaltensweisen der Menschen für eine Wachstums konzentrierte Pseudo-Ökonomie nutzbar zu machen, die ihren Zweck schon vor Jahrzehnten eingebüßt hat, weil die Grenzen ihrer längst erreicht sind. Sie gießt somit augenscheinlich Öl ins Feuer! Und die neurotischen Amis ehren sie. 🤨

Aber vielleicht kannst du ja erklären, wie du auf sie gekommen bist. Klingt irgendwie nach künstlicher Intelligenz.

In der Tat hat Dweck Ende der 1980er Jahre implizit bzw. im Ergebnis die Folgen des Wiederholungszwanges, ohne diesen zu benennen, insofern beschrieben, als sie diese den angeborenen Fähigkeiten gegenüberstellte. Sie versuchte aber, die ersteren dadurch gleichsam zu legitimieren bzw. moralisch zu rechtfertigen, dass sie zu einer Wachstumsmentalität (growth mindset) führten und, that the growth mindset allows a person to live a less stressful and more successful life.

Zuzugestehen ist, dass die Umwelt- und Klimaproblematik auf nationalen Ebenen damals erst in den Kinderschuhen steckte (während die UNO bereits spätestens 1972 auf ihrer bezüglichen Konferenz in Stockholm massiv Alarm geschlagen hatte), doch die hochbrisante Problematik der globalen sozialen Ungleichheit und deren miserable Folgen auf den Weltfrieden waren aufgrund der Arbeiten der UNO aus vorangegangenen Jahrzehnten bereits bestens bekannt.

Setzt man nun das, was Dweck als Folge von hard work, learning, training and doggedness (als Voraussetzung für die growth mindset) ansieht, und in Wahrheit kompensatorisches Verhalten für die abgespaltene Emotionalität des Traumatisierten ist, in einen ursächlichen Zusammenhang mit den beiden vorhin genannten Problematiken des Klimas und der Gewalt, erhellt, dass man diesen growth mindset moralisch und rechtlich zu verwerfen hat!

Ich selbst habe in meinen Beiträgen (etwa auf X) immer wieder darauf hingewiesen, dass der Wiederholungszwang schon vor vielen Jahrhunderten von der regierenden Kaste dazu ins Dasein gerufen wurde, um eine Leistungskonzentration zur beschleunigten Förderung von R & D zu generieren. Doch dieses Ziel stößt, wie gesagt, auf intrinsische wie auch auf geologische Grenzen des Wachstums, worauf bereits in den frühen 1980er Jahren der Club of Rome warnend hingewiesen hat.

Der Wiederholungszwang war daher in der Tat eine Zeitlang von Nutzen, etwa dafür, Menschen dazu zu bringen, unter schwierigsten und menschenfeindlichen Bedingungen Arbeit zu verrichten. Doch diese Phase ist am Aushauchen! Denn der psycho-soziale kollektive Schaden, den sie angerichtet hat, ist heute bereits bei weitem größer als ihr Nutzen.

Hier ist auch zu verdeutlichen, dass die egomanischen Nationalismen des Nordwestens extrem schädlich für den Weltfrieden sind, weil sie jedwedes Verständnis von Humanität gegenüber anderen Völkern der Erde vermissen lassen. Letztere wird die Menschheit, und in besonderem Maße der Nordwesten, aber benötigen, um psycho-sozial zu gesunden, widrigenfalls der Mensch zu einem kybernetischen Homunculus der biotechnologischen Vernetzung würde, die aus ihm mehr eine Maschine macht, denn ihn Mensch sein zulassen. Desgleichen benötigt der globale Süden freilich unsere Technologie: oder zumindest manches davon.

Angesagt ist also öko-sozialer Ausgleich, der, wie gesagt, voraussetzt, dass pervertiert emotionale Ressentiments, sprich: rassistische Xenophobie und das so trügerische Gefühl von ethnischer Suprematie, verschwinden, was nur durch die Auflösung der Folgen des Wiederholungszwanges bzw. seiner selbst möglich ist.

Selbstredend ist auch der unzutreffenden Annahme das Wort zu entziehen, wonach die Beseitigung des Wiederholungszwanges die Fähigkeit des Menschen, unter schwierigen Bedingungen zu arbeiten, mit beseitigen würde! Dagegen spricht nämlich, dass die heutigen Möglichkeiten der Telekommunikation anders als in früheren Epochen zulassen, den Menschen derart aufzuklären, dass er daraus Sinn und Zweck erkennen kann und sich deshalb motiviert engagiert.

So hat die UNO-Generalversammlung bereits 1989, mit ihrer Resolution 44/25 (A/RES/44/25) die UN-Kinderrechtskonvention (Convention on the Rights of the Child) verabschiedet, die direkt auf die Problematik Bezug hat und deshalb desgleichen dem Studium eines jeden Verantwortungsbewussten anempfohlen wird.

Fortsetzung wird, so Gott will, folgen.

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