Ein kurz gefasster Fahrplan in die Zukunft – Teil II

Hier habe ich einige Gedanken darüber angestellt, woran das sichere Beschreiten eines gangbaren Weges in eine erbauliche Zukunft für alle Völker derzeit gebricht. Diese sollen im Folgenden, auch unter Berücksichtigung des Beitrags von Guntram Bechtold, eines Mitglieds des Vorarlberger Familienverbandes, fortgesetzt werden.

Jedwede Motivation der Person muss sich, damit sie rechtmäßig fruchtbar sein kann, aus dem eigenen Antrieb ihrer generieren; Dritte können dazu nur Ansporn oder Anlass sein.

Damit solche Motivation gedeihen kann, ist notwendig, dass der Mensch sich von seinen Ängsten, Zwängen und – es ist nicht anders zu benennen! – der Verkrüppelung seiner emotionalen und die Sinneswahrnehmung betreffenden Fähigkeiten befreit, die ihm alle anhaften, weil er als Kind traumatisiert wurde. Diese Traumatisierung hängt, wie Alice Miller und Conrad Stettbacher, zwei (große) Schweizer Entwicklungspsychologen und Therapeuten, es sinngemäß gefasst haben, damit zusammen, dass der Mensch, bereits unmittelbar nach seiner Geburt, und bisweilen sogar schon zuvor, mit einer tatsächlichen sozialen Umwelt konfrontiert wird, die nicht seiner phylogenetischen, also jener Erwartungshaltung entspricht, die in seinen Genen, gestellt an die Bedingungen, unter denen sein irdisches Leben vollführt werden kann, kodiert ist.

Dies fängt, um mit einer Allegorie der Gewaltsamkeit zu sprechen, schon mit dem Klaps an, den der Säugling unmittelbar nach seiner Entbindung von der Hebamme gleichsam zur Begrüßung auf seinen Hintern bekommt und hört dort nicht auf, wo er auf Eltern trifft, die ihrerseits aus denselben Grünen der einstigen Kindheitstraumata zufolge ihrer verkrüppelten Emotionalität und Wahrnehmungsfähigkeit nicht imstande sind, dem Kind das zu geben, was es zu seiner freien und besten Entfaltung seiner Fähigkeiten und Persönlichkeit bedarf: echte Liebe und Umsorgung, die ihm aber keine Fesseln, sondern nur ein Sicherheitsnetz dort anlegt, wo es zu seinem Schutz unabdingbar ist.

Das Kind reagiert selbstverständlich auf diese Verkrüppelung seiner Eltern entsprechend seiner Begabung mehr oder weniger empört. Solche Empörung, die sich in lautstarkem Schreien, heftigem Strampeln und später entsprechenden Unmutsbezeugungen äußern will, führt direkt dazu, dass die Adressaten derselben: die Eltern, ihrerseits verstört und – aufgrund ihrer Verkrüppelung, die eine konstruktive Reaktion darauf nicht zulässt – letztendlich aggressiv reagieren, weil die kindliche Empörung bei ihnen Erinnerungen an ihre eigenen Verdrängungen hervorrufen will, deren Zulassung mit dem notwendigen Empfinden verdrängter Schmerzen zusammenhinge, sodass sie in solcher Reaktion im Ergebnis die Emotionalität des Kindes zu unterbinden suchen, damit sie nicht weiter mit diesen schmerzhaften Erinnerungen konfrontiert würden, deren Ursachen aber ihr Kind im selben Augenblick erlebt, indem seine Schmerzen bzw. deren Ausdruck gewaltsam, mitunter auch nur mit einem bösen Blick oder anderen aggressiven Äußerungen, die allesamt den Liebesentzug durch die Eltern bedeuten, unterbunden werden.

Dabei spielt auch eine Rolle, dass die verkrüppelten Eltern in einem auf fatale Weise wirkenden Zwang, ihre eigenen Traumata auszuleben, in der Hoffnung, in einer perversen Rollenumkehr vom Kind Liebe, also Entsprechung, zu erhalten, sich selbst in eine Bedürftigkeit begeben, mit dem das Kind heillos überfordert ist.

Damit sind im Wesentlichen der Wiederholungszwang definiert und seine Ursachen umrissen, auf dass erhellt, dass er in hohem Maße destruktiv wirkt, was sich beim Erwachsenen, ja mitunter schon beim traumatisierten Kind, zu einer regelrechten Selbst- und/oder Fremd-Zerstörungswut auswächst, die in allen Lebensbereichen wirkt.

Um zu unserem Thema: einer gedeihlichen Zukunft der Menschheit auf diesem Planeten, zurückzukommen, ist hier abermals zu betonen, dass die Durchbrechung dieses – soweit überblickbar und aufgrund bestehender Quellen zu eruieren – seit Jahrhunderten, wenn nicht Jahrtausenden bestehenden Wiederholungszwanges unabdingbar ist, um diesen Hang des Menschen zur Destruktion des Lebens in Konstruktivität und für jede Prosperität notwendige, Sinn und Zweck spendende, erschaffende Kreativität umzumünzen.

Darin bestehen die Gründe, aus denen (welt-)politisch zentral und essenziell beim Kindeswohl anzusetzen ist, das getrost in einem erweiterten Sinne dahin verstanden werden kann, dass es auch Erwachsene in ihrer Verkrüppelung unmittelbar betrifft, sind sie doch durch diese in einer aus Trotz und Borniertheit bestehenden Kindheitsphase entwicklungspsychologisch stecken geblieben, was sie, wie oben gezeigt, auch unfähig macht, mit ihren Kindern (oder anderen Lebensaufgaben) anders umzugehen als das (traumatisierte) Kind mit seiner Puppe: sie wegzuwerfen, wenn einem die Lust vergeht.

Hinzuzufügen ist dem ferner, dass sich die Destruktion nicht selten auch auf das bezieht, was den Menschen biologisch-essenziell ausmacht: seine Sexualität, in der er seine Lebendigkeit Fleisch werden lässt. Daher der sexuelle Kindesmissbrauch, der besser sexuelle Ausbeutung oder sexualisierte Gewaltzufügung genannt werden sollte, zumal es keinen legitimen sexuellen Gebrauch von Kindern gibt.

An dieser Stelle sei auf die Tätigkeit von Doris Nachbargauer hingewiesen, die mit ihren Mitarbeiterinnen im Rahmen ihrer elementaren Sprachschule für Kleinkinder, Planet English, die ein von ihr entworfenes einzigartiges pädagogisches Konzept realisiert, auch versucht, solche Traumata spielerisch aufzulösen bzw. den Kindern dabei Hilfestellung über ihre logopädische Verfasstheit zu leisten.

Die angesprochene Durchbrechung dieses Wiederholungszwanges ist nun aber nur durch dessen Bewusstmachung möglich, was, wie gesagt, mit der Empfindung, dem Erleben (nicht dem Ausleben, das durch allerlei pervertiertes Pseudo-Befriedigen von pervertierten Bedürfnissen geschieht) der verdrängten Schmerzen einhergeht, weshalb viele instinktiv und ängstlich davor zurückschrecken, hat sich doch in ihren Knochen und Fasern die Erinnerung festgefressen, dass das Erleben dieses Schmerzes Liebesentzug und so, in einem Teufelskreis, noch mehr Schmerz einstellt.

Vielfach wird dafür also eine therapeutische Begleitung notwendig sein, die dem verkrüppelten Traumatisierten dabei beisteht, diese toxische Mischung aus Angst und (seelischem) Schmerz durch deren Erleben gleichsam zu konsumieren und so zu neutralisieren, aufzulösen, womit die volle Wiederbefähigung in Emotionalität und Sinneswahrnehmung einher geht.

Der oben erwähnte Stettbacher hat aber in seinem Buch: Wenn Leiden einen Sinn machen soll, einen Leitfaden zu einem (auch von mir selbst gegangenen) Weg aufgezeigt, wie man in Eigentherapie diesbezüglich sehr weit kommen kann.

Was für die Therapie aber jedenfalls nötig ist, sind Zeit und geschützte Umgebung.

Und hier hat, wie im oben verlinkten Ersten Teil dieses Beitrags angerissen, der Staat bzw. Gesetzgeber in Sozialrechtssachen einzuschreiten, indem er die dafür notwendige finanzielle und personelle sowie raum-technische Hilfestellung leistet.

Zu denken ist hier etwa auch an Zentren, die einfach nur (schalldichten und die Seele einladenden) Raum zur Verfügung stellen, in dem (mit oder ohne Therapeuten) die Suche nach dem wahren Selbst (A. Miller) stattfinden kann.

Die oben nachgewiesene Destruktivität bildet sich unter anderem in einem von Hass und Angst geprägten Rassismus aus, der alles Fremde verteufelt, obschon oft jene (weniger entwickelten) Völker psycho-sozial noch die weitaus gesünderen sind, sofern sie nicht durch Kolonisation traumatisiert wurden; womit wir mitten im Völkerrecht sind, das mein eigentliches Steckenpferd ist. 🙂

Aber davon in einer Fortsetzung, die, so Gott will, demnächst hier erscheinen wird.

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