Can. 208 CIC 1983 lautet in offizieller deutscher Übersetzung, wie folgt:
Unter allen Gläubigen besteht, und zwar aufgrund ihrer Wiedergeburt in Christus, eine wahre Gleichheit in ihrer Würde und Tätigkeit, kraft der alle je nach ihrer eigenen Stellung und Aufgabe am Aufbau des Leibes Christi mitwirken.
Can. 208 CIC
Die Gleichheit unter allen Gläubigen in ihrer Würde und Tätigkeit soll demnach also eine wahre sein. Dies lässt sich (mindestens) in zweierlei Richtungen auslegen:
- Dahin, dass an die Gläubigen gleichsam die Forderung gestellt wird, solche Gleichheit als absolute und wahre, als wirkliche anzuerkennen und danach zu leben;
- Dahin, dass von einer solchen Gleichheit nur gesprochen werden soll und kann, wenn und soweit sie wahr ist.
Ein Blick auf die lateinische Originalfassung zeigt, welchen der beiden Varianten der Vorzug zu geben ist:
Inter christifideles omnes, ex eorum quidem in Christo regeneratione, vera viget quoad dignitatem et actionem aequalitas, qua cuncti, secundum propriam cuiusque condicionem et munus, ad aedificationem Corporis Christi cooperantur.
Can. 208 CIC
Viget – in der obigen Übersetzung mit besteht transferiert – stammt von vigeo 2, und bedeutuet so viel wie:

Vigere bringt also eine Lebendigkeit des Subjekts (hier: der Gleichheit) zum Ausdruck. Ob daraus auf eine Veränderlichkeit des Subjekts geschlossen werden kann, und zwar in dem Sinne, dass alles, was lebt, auch vergänglich ist, bleibt zunächst offen und hat gegen sich, dass das Welken eben nicht mehr Teil der Blüte als solcher ist: dies zumindest, wenn man nur den übertragenen Teil der Bedeutungen (unter Pkt. 2 des vorigen Zitats) ins Auge fasst.
Hält man sich jedoch an die Bedeutung unter Punkt 4 des Zitats, so ergibt sich ein ganz anderes Bild: Hier wird die Gleichheit (das Subjekt) zu einer Modeerscheinung, sie (es) ist bloß gebräuchlich; was auf das Zutreffen der oben genannten ersten der beiden Varianten spricht.
Beachtlich ist nun aber, dass laut Can. 208 CIC kraft dieser Gleichheit alle nach deren Stellung und Aufgabe am Aufbau des Leibes Christi teilhaben (sollen).
Wenn nun aber die Gleichheit, wie gezeigt, nur ein temporäres, ein modernes Kleid trägt, wie kann dann der Aufbau des Leibes Christi mehr sein als bloßes Konstrukt einer Täuschung, die darin besteht, dass in Ihm alle gleich seien, wofür Voraussetzung sei, dass alle nach ihrer Stellung und Aufgabe, mithin durchaus gerade nicht bei gleicher Würde und Tätigkeit, freiwillig mitwirken; womit zweierlei deutlicher wird: zum einen der Charakter und das Wesen des Leibes Christi und zum anderen der Wert, die Intensität dieser Freiwilligkeit.
Denn während der (das) eine auf etwas hinausläuft, das a priori nicht von allen getragen zu werden scheint, weshalb es eines Anspornes (namentlich der behaupteten Gleichheit) bedurfte, macht sich der (die) andere folgerichtig als gering aus, was sich auch im Mangel an orthodoxem Glauben spiegelt, den Nikolaus V. in Dum diversas beklagt, weshalb auch die Sklaverei, die so ungleiche (!), in diese Bulle hineingelegt werden musste.
Insgesamt wird somit auch hier erkennbar, dass Afrika ein rigoroses Anrecht auf einen guten Teil des Kuchens der Zivilisation hat!
Ferner erhellt, dass die Tage der Kirche Jesu Christi in der Tag die sind, an deren Ende die letzten Heiligen der Menschheit für Ordnung und Wiederherstellung derselben sorgen.
Ob dies bedeutet, dass das Alte Testament wieder stärker in den Mittelpunkt zu rücken sei, bleibt weiteren Untersuchungen vorbehalten.
Nachtrag, 2009
Die Lebendigkeit der Gleichheit kann freilich auch bedeuten, dass sie, die Gleichheit, nur dort gepflogen werden kann, wo die Würde, der Fleiß, also der Beitrag zum Aufbau des Leibes Christi blühen.
Taten sie das in den letzten 100 Jahren? Besteht der Leib Christi in einer Maschinerie, das Habitat des Planeten Erde zu zerstören?